Freitag, 5. Oktober 2012

Katzen können anspruchsvoll sein. Dennoch ist Folgendes vollkommen übertrieben und somit wohl im Bereich des schwarzen Humors gelandet.
Mein geliebte Katze
5.00 Uhr     Die verdammte Katze hat mich geweckt, indem sie mir die Brust mit ihren krallenbewehrten Pfötchen malträtierte, mir mit ihrer Zunge das Gesicht abraspelte und dabei Maunzer in der Lautstärke eines aufheulenden Porsche von sich gab.
5.05 Uhr     Ich kroch der weiterhin mauzenden Katze in die Küche hinterher, um ihr Frühstück zuzubereiten.Ein Pfund Lachs auf eine genaue Temperatur von 38° gebracht. Heute mit einer Schlaftablette, sonst reicht die Zeit nicht für den Einkauf. Mir fielen dabei die Augen zu, aber ich wachte rechtzeitig wieder auf, um zu vermeiden, dass das Katzenvieh meine Waden wegen zu heißem Fressen massakrieren kann.
5.30 Uhr     Ich erledige im Bad hastig meine Morgentoilette, versorge meine Wunden und ziehe mich an. Ich finde nichts sauberes mehr, was mir egal ist. Die Blutflecken gehen sowieso nur andeutungsweise raus.
5.35 Uhr     Die Miez läßt sich gnädig auf meinem Schoß nieder, um gekrault zu werden.

9.27 Uhr     Ich bin eingeschlafen. Das Ungeheuer auch. Ich lagere es mit äußerster Vorsicht um und habe Glück. Ein verträumtes Schnurren und es schläft weiter.
9.30 Uhr     Ich schlüpfe in meine Ausrüstung und mache mich daran, dass Katzenkistchen zu säubern. Irgendwo ist der Schutzanzug undicht – mir tränen die Augen.
Danach bringe ich den Müll runter und werde vom Hausmeister gemahnt, weil die gebrauchte Katzenstreu schon wieder ein Loch in die Mülltonne gefressen hatte.
Auf der Rückfahrt von meinem Einkauf macht das Auto komische Geräusche. Wahrscheinlich die Federung. Wegen der kommenden Feiertage mußte ich mehr als sonst kaufen und habe den Wagen vermutlich zu voll gepackt. Vor dem Haus geht das Fahrzeug dann in die Knie und der Motor erstirbt mit einem Röcheln.
Als ich meine Beute nach oben bringe, durchzuckt meinen Rücken ein stechender Schmerz. Täglich 10 Kilo Katzenstreu in den 12 Stock zu tragen, fordert seinen Tribut und heute muß ich den Weg fünfmal gehen. Der Fahrstuhl funktioniert seit Monaten nicht mehr.
14.00 Uhr     Die Katze ist wach geworden und sauer.
Das Mittagessen war 12.00 Uhr an der Reihe. Ich frage mich schon lange, ob sie vielleicht die Uhr lesen kann. Jetzt weiß ich es.Das Problem ist, dass das Mistvieh nun auch noch spielen will und ich etwas durcheinander komme, als ich versuche, mit einer Hand die Spielangel zu betätigen und gleichzeitig mit der anderen das Forellenragout vor dem zu heiß werden zu bewahren. Zudem rutscht mir auch ständig das Bratenthermometer in den Topf, so dass ich übersehe, dass das Essen schon bei 40° ist. Als ich es bemerke, sehe ich an den Augen meiner Mitbewohnerin, dass sie nicht warten wird, bis es abgekühlt ist. Einhändig richte ich an – ich muß weiterhin die Angel in Bewegung halten.
Mit einem Aufjaulen registriert sie die zu hohe Temperatur und stürzt sich auf meine Waden.
Obwohl diese durch regelmäßige Attacken und dadurch nicht mehr heilende Wunden sehr schmerzempfindlich geworden sind, zucke ich nicht mal.

15.30 Uhr     Ich betrachte noch einmal meine Katze. Im Schlaf sieht sie so bezaubernd aus, so unschuldig und liebenswert.
Ich gehe raus und besorge mir einen Revolver.

Zwei Tage später     Meine Katze hat meine Leiche angefressen. Aber ansonsten hab ich endlich meine Ruhe.