Katzen können anspruchsvoll sein. Dennoch ist Folgendes vollkommen übertrieben und somit wohl im Bereich des schwarzen Humors gelandet.
Mein
geliebte Katze
5.00
Uhr Die
verdammte Katze hat mich geweckt, indem sie mir die Brust mit ihren
krallenbewehrten Pfötchen malträtierte, mir mit ihrer Zunge das
Gesicht abraspelte und dabei Maunzer in der Lautstärke eines
aufheulenden Porsche von sich gab.
5.05
Uhr Ich
kroch der weiterhin mauzenden Katze in die Küche hinterher, um ihr
Frühstück zuzubereiten.Ein
Pfund Lachs auf eine genaue Temperatur von 38° gebracht. Heute mit
einer Schlaftablette, sonst reicht die Zeit nicht für den
Einkauf. Mir fielen dabei die Augen zu, aber ich wachte rechtzeitig
wieder auf, um zu vermeiden, dass das Katzenvieh meine Waden wegen
zu heißem Fressen massakrieren kann.
5.30
Uhr Ich
erledige im Bad hastig meine Morgentoilette, versorge meine Wunden
und ziehe mich an. Ich finde nichts sauberes mehr, was mir egal
ist. Die Blutflecken gehen sowieso nur andeutungsweise raus.
5.35
Uhr Die
Miez läßt sich gnädig auf meinem Schoß nieder, um gekrault zu
werden.
9.27
Uhr Ich
bin eingeschlafen. Das Ungeheuer auch. Ich lagere es mit äußerster
Vorsicht um und habe Glück. Ein verträumtes Schnurren und es
schläft weiter.
9.30
Uhr Ich
schlüpfe in meine Ausrüstung und mache mich daran, dass
Katzenkistchen zu säubern. Irgendwo ist der Schutzanzug undicht –
mir tränen die Augen.
Danach
bringe ich den Müll runter und werde vom Hausmeister gemahnt, weil
die gebrauchte Katzenstreu schon wieder ein Loch in die Mülltonne
gefressen hatte.
Auf
der Rückfahrt von meinem Einkauf macht das Auto komische Geräusche.
Wahrscheinlich die Federung. Wegen der kommenden Feiertage mußte ich
mehr als sonst kaufen und habe den Wagen vermutlich zu voll gepackt.
Vor dem Haus geht das Fahrzeug dann in die Knie und der Motor
erstirbt mit einem Röcheln.
Als
ich meine Beute nach oben bringe, durchzuckt meinen Rücken ein
stechender Schmerz. Täglich 10 Kilo Katzenstreu in den 12 Stock zu
tragen, fordert seinen Tribut und heute muß ich den Weg fünfmal
gehen. Der Fahrstuhl funktioniert seit Monaten nicht mehr.
14.00
Uhr Die
Katze ist wach geworden und sauer.
Das
Mittagessen war 12.00 Uhr an der Reihe. Ich frage mich schon lange,
ob sie vielleicht die Uhr lesen kann. Jetzt weiß ich es.Das
Problem ist, dass das Mistvieh nun auch noch spielen will und ich
etwas durcheinander komme, als ich versuche, mit einer Hand die
Spielangel zu betätigen und gleichzeitig mit der anderen das
Forellenragout vor dem zu heiß werden zu bewahren. Zudem rutscht mir
auch ständig das Bratenthermometer in den Topf, so dass ich
übersehe, dass das Essen schon bei 40° ist. Als ich es bemerke,
sehe ich an den Augen meiner Mitbewohnerin, dass sie nicht warten
wird, bis es abgekühlt ist. Einhändig richte ich an – ich muß
weiterhin die Angel in Bewegung halten.
Mit
einem Aufjaulen registriert sie die zu hohe Temperatur und stürzt
sich auf meine Waden.
Obwohl
diese durch regelmäßige Attacken und dadurch nicht mehr heilende
Wunden sehr schmerzempfindlich geworden sind, zucke ich nicht mal.
15.30
Uhr Ich
betrachte noch einmal meine Katze. Im Schlaf sieht sie so
bezaubernd aus, so unschuldig und liebenswert.
Ich
gehe raus und besorge mir einen Revolver.
Zwei
Tage später Meine Katze hat meine Leiche angefressen. Aber ansonsten hab ich endlich
meine Ruhe.